Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne mbH

Es ist ein kleines Jubiläum: Zum siebten Mal beteiligt sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne als Partner an der Gründerwoche Deutschland. Als Tochtergesellschaft der Stadt berät sie Unternehmen zu Fördermitteln und unterstützt Gründerinnen und Gründer auf dem Weg in die unternehmerische Selbständigkeit. Ihr Ziel: den Gründergeist bei jungen Menschen in Ausbildung zu wecken. Tatkräftige Hilfestellung erhält sie dabei von Kooperationspartnern aus ganz Herne.

Interview mit Susanne Stegemann, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Herne mbH

©WFG Herne mbH

Frau Stegemann, wie steht es um den Gründergeist in Herne?

Stegemann: Herne ist durch Bergbau und Großindustrie geprägt, die bis Mitte der Siebzigerjahre hier vorherrschend waren. Da hat man sich in Herne nicht selbstständig gemacht, sondern war angestellt. Es wirkt sich nach wie vor aus, dass die Menschen im Ruhrgebiet, und damit auch in Herne, viel zurückhaltender beim Thema Existenzgründung sind. In der ca. 160.000-Einwohner-Stadt fehlt es oft an motivierenden Vorbildern.

Dabei gibt es jede Menge kleine und mittlere Unternehmen in Herne.

Stegemann: Ja, wir haben in Herne 5.000 Unternehmen, verteilt über Produktion, Dienstleistung, Handel und Handwerk. Die meisten davon sind inhabergeführte mittelständische Betriebe, auch in der Logistik, wo allein 8.000 Menschen in Speditionsunternehmen, Warenverteilzentren und ähnlichen Unternehmen arbeiten. Darüber hinaus ist Herne ein wichtiger Standort für die Gesundheitsbranche, den Maschinenbau, das Verarbeitende Gewerbe und die Chemie. Insofern haben wir den Strukturwandel gut gemeistert.

Trotzdem vermissen Sie mehr Gründernachwuchs.

Stegemann: Neue Unternehmen bringen frischen Wind in den Markt. Existenzgründungen sind unverzichtbare Impulsgeber für Wirtschaftswachstum und Strukturwandel – und schaffen Arbeitsplätze. Daher ist jede weitere Gründung, die auf gesundem Fundament steht, willkommen. Ja, zu uns kommen viele Menschen, die an einer Gründung interessiert sind, insbesondere im Bereich der wissensintensiven Dienstleistungen. Das liegt unter anderem daran, dass viele der großen Unternehmen ihre Marketing-, Werbe- oder Personalabteilungen ausgelagert haben. Das heißt, in diesen Bereichen wurden viele Kleinunternehmen gegründet, die auch zweifellos einen wichtigen Beitrag zu unserer Gründungskultur leisten. Wir wünschen uns aber darüber hinaus noch mehr wachstumsstarke Gründungen.

Deswegen möchten Sie die Herner und Hernerinnen verstärkt für das Thema Existenzgründung motivieren. Ein Grund, warum Sie Partner der Gründerwoche geworden sind?

Stegemann: Wir bieten ja ohnehin ganzjährig vielfältige Seminarangebote und Unterstützungsleistungen für angehende Gründerinnen und Gründer an. Außerdem präsentieren wir zum Beispiel auf unserer Facebook-Seite regelmäßig unternehmerische Vorbilder, also Portraits von erfolgreichen Gründerinnen und Gründern hier aus der Region. Aber neben diesem Tagesgeschäft setzen wir mit der Gründerwoche jedes Jahr zusätzlich ein kleines Highlight.

Sie haben für die Gründerwoche mehrere Kooperationspartner ins Boot geholt.

Stegemann: Als die Gründerwoche 2011 bundesweit angeschoben wurde, haben wir von Anfang an Mitstreiter gesucht und auch sofort gefunden. Das hing damals nicht zuletzt mit der Zielsetzung der Gründerwoche zusammen. Damals hieß es, dass die Partner vor allem den Gründergeist bei jungen Menschen in Ausbildung wecken sollten. Dieses Ziel halten wir nach wie vor für so wichtig, dass wir es auch in diesem Jahr in den Mittelpunkt unserer nunmehr siebten Gründerwoche stellen werden.

Und was die Kooperationspartner betrifft: Deren Zahl ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Mittlerweile macht fast die halbe Stadt mit: neben der Koordinierungsstelle Mittelstand der Stadtverwaltung Herne ist das Mulvany Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung sehr aktiv, dann natürlich auch die Herner Sparkasse, die WAZ als Medienpartner und viele weitere Akteure.

Sie bieten mehrere Veranstaltungen an. Welche davon liegt Ihnen besonders am Herzen?

Stegemann: Zunächst einmal versuchen wir zusammen mit den Medien hier vor Ort in der Region das Thema Gründung zu platzieren. Dazu führen wir verschiedene Veranstaltungen durch. Im Mittelpunkt steht für uns aber das Projekt "Start-up|at School", das das STARTERCENTER NRW der Wirtschaftsförderung zusammen mit dem Mulvany Berufskolleg und der Koordinierungsstelle Mittelstand der Stadtverwaltung Herne durchführt. Die Schülerinnen und Schülern der Fachoberschulklasse 13 des Berufskollegs bereiten dabei über einen Zeitraum von drei Monaten in verschiedenen Teams jeweils die Gründung eines fiktiven Unternehmens vor. Dafür schreiben sie einen Businessplan und produzieren einen Werbespot. Das Besondere bei den Schülerinnen und Schülern ist, dass einige von ihnen bereits eine Ausbildung absolviert haben. Viele sind also bereits mit unternehmerischen Abläufen vertraut. Nach Beendigung des Berufskollegs haben sie dann außerdem ihr Abitur in der Tasche.

Welche Unterstützung bieten Sie den Schülerinnen und Schüler bei "Start-up|at school" an?

Stegemann: Wir vermitteln Gründungsberater, Steuerberater, Marketingberater und weitere Expertinnen und Experten aus verschiedenen Bereichen, die die Teams vor Ort in der Schule beraten. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler haben direkten Kontakt zu Fachleuten aus der Praxis.

Und was passiert mit den Businessplänen und den Werbespots?

Stegemann: Die werden auf einer großen Abschlussveranstaltung präsentiert. Schirmherr ist unser Oberbürgermeister. Die Veranstaltung findet im Kino der Filmwelt Herne statt, damit die Schülerinnen und Schüler dort ihren Werbespot zeigen können. Anschließend präsentieren die Teams ihre Businesspläne. Die Bewertung findet dann live durch eine prominente Jury statt.

Gibt es ein "Vorher" und "Nachher", was die Gründungsbegeisterung der Jugendlichen betrifft?

Stegemann: Es geht uns nicht darum, dass die Jugendlichen nun alle vom Fleck weg in die berufliche Selbstständigkeit starten. Unser vorrangiges Ziel ist, dass sich die Teilnehmer mit einer Unternehmensgründung beschäftigen, dass sie sich überhaupt damit auseinandersetzen und erkennen, dass die berufliche Selbstständigkeit eventuell zu einem späteren Zeitpunkt eine berufliche Option für sie sein kann. Ich glaube, dieses Ziel haben wir bisher immer erreicht.

Aufgefallen ist mir bei vielen Schülerinnen und Schülern, dass sie zum ersten Mal einen Perspektivwechsel vorgenommen haben. Vorher sahen sie sich immer in der Rolle eines zukünftigen Angestellten. Durch dieses Projekt haben sie erstmals die Perspektive eines Arbeitgebers eingenommen. Das zu sehen, ist sehr spannend.

Die Veranstaltung könnten Sie ja eigentlich auch unabhängig von der Gründerwoche durchführen. Was hat die Wirtschaftsförderung der Stadt Herne davon, sich als Partner bei der Gründerwoche zu engagieren?

Stegemann: Wir haben eine sehr hohe Aufmerksamkeit der Medien dadurch erzielt. Mehr als wir gedacht haben. Das Bildungsministerium und das Wirtschaftsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützen uns intensiv und kommen gerne vorbei. Viele Partner sind beteiligt – das sieht man an unseren Kooperationen. Da ziehen alle an einem Strang. Außerdem bekommen wir eine tolle Unterstützung durch das Team des RKW. Anders wäre das Ganze auch kaum umzusetzen, denn die Vorbereitung und Umsetzung der Veranstaltungen sind sehr arbeitsintensiv. Aber es lohnt sich.

Stand: 2017